These 2

Die Aktualität der Marxschen Werttheorie im 21. Jahrhundert. 2. Teil

2. Was genau ist Wert ? 

Dass der Wert als gesellschaftliche Beziehung sich an und durch ein sachlich gegenständ-liches Ding darstellen muß, wird gern mystifiziert als „Entfremdung“ oder „Verding-lichung“ umschrieben. Durch diese Begriffe wird aber meistens keine wissenschaftliche Klarheit geschaffen, sondern viel Verwirrung, die verhindert genau zu definieren, was Wert wirklich ist. Wenn man den Wert als gesellschaftliche Beziehung von menschlichen Arbeitsprodukten beschreibt, hat man die Widersprüchlichkeit dieser Beziehung benannt und gleichzeitig umrissen, dass er eine selbstständige gesellschaftliche Beziehung ist, die eine eigenständige Qualität beinhaltet, die auch in einer eigenständigen Form auftritt. Erst wenn man dies analysiert hat, kann man dazu übergehen, den Wert in seinen quantitativen Funktionen zu betrachten und darzustellen. Die allermeisten Wissenschaftler, die sich mit dem Wert befassen, sehen ihn nur als quantitative Relation von Gebrauchswerten und nur in seinen Bewertungs- und Meßfunktionen, sie können ihn nicht als eigenständige Gesellschaftsform erfassen. Genau in diesen Funktionen beherrschen die Wertform-strukturen aber unser Gesellschaftssystem.

Die meisten Wissenschaftler, Marxisten eingeschlossen, halten den Wert für eine naturge-gebene Maßeinheit, die in modernen Marktsystemen unersetzlich ist und nicht aufgelöst werden kann, es sei denn um den Preis der Einführung archaischer gesellschaftlicher Verhältnisse. Für diese Menschen ist die Wertform eine Naturform, die für immer mit modernen Gesellschaftssystemen als Marktsystem verbunden sein wird.

Dieser Mythos entsteht, weil etwas Immaterielles, eine gesellschaftliche Beziehung, sich in einer gegenständlichen Formbeziehung darstellen muss, um gesellschaftlich wirksam zu werden. Um als allgemeine Wertgestalt der Waren die gesellschaftlich zentrale und systemisch ausschlaggebende Rolle als Vermittlungsmedium wahrnehmen zu können, muss der Wert in seiner Geldgestalt als allgemeine Gesellschaftsform mit einer Naturform verschmelzen, die seine Funktionen adäquat erfüllt. Dieser Gegenstand war lange Zeit das Gold und ist es partiell heute noch, besonders in Krisenzeiten. Entscheidend für diesen Prozess ist aber nicht die Golddeckung selbst, sondern die staatliche Deckung und Bürgschaft für die Währung des Landes und seine Stabilität.

Egal in welchen Formen das Geld als gesellschaftlich allgemeines Äquivalent auftritt, entscheidend ist seine staatliche Absicherung, die EURO-Krise ist ein schlagendes Beispiel. In der Äquivalentform tritt die Mystifizierung der gesellschaftlichen Funktionen des Geldes deutlich zu Tage. Durch die Verschmelzung von Natur- und Gesellschaftsform wird der Schein erzeugt, als ob dem Geld seine gesellschaftlichen Funktionen von Natur oder Geburt aus zustünden, quasi „angewachsen“ seien, so als ob der Verstand auf Bäumen wächst..

Wer sich jedoch geistig darüber stehend wähnt und diese Naturformtheorie ablehnt, für den ist das Geld als gesellschaftlich allgemeines Äquivalent ein geistiger Schöpfungsakt, staatlich sankioniert und rechtlich abgesichert per Staatsdekret mit eigenem Ausführungs-organ, der Staatsbank. Es ist für die „Krone der Schöpfung“ sehr schwer, sich einzugestehen, dass wir unseren zentralen gesellschaftlichen Zusammenhang immer noch über einen naturwüchsig unbewußten Prozeß herstellen und den Vorgang des Abstiegs von den Bäumen gesellschaftlich immer noch nicht vollendet haben und immer noch auf der Suche nach einer menschlichen, selbstbestimmten und selbstgestalteten Gesellschaft sind.

Die Organisation und Verteilung der gesellschaftlichen Arbeit und des gesellschaftlich  erzeugten Produkts geschieht in warenwirtschaftlichen Systemen nicht in gemein-schaftlicher Übereinkunft kooperativ verbundener Individuen, sondern in einem natur-wüchsigen und gesamtgesellschaftlich autoregulativen Prozess der Selbstorganisation. Das steuernde Element dieses Gesamtprozesses ist nicht der bewußt handelnde Mensch, sondern der verselbständigte Wert, der in seiner allgemeinen Form, dem Geld, zum Produktionsziel und Selbstzweck dieses Systems geworden ist. Nicht die Herstellung von Produktionsgütern zur Befriedigung menschlicher Bedürfnisse ist sein primäres Ziel, sondern die Vermehrung des Werts in seinen abstrakten, spekulativen und auch virtuellen Formen ist der Endzweck – Verwertung des Werts als unendlicher Progress, abstrakter Reichtum als Selbstzweck. Warenwirtschaftlich organisierte Gesellschaften sind daher Systeme der Autopoiesis.

Eine gesellschaftliche Vermittlung von Produktion und Verteilung muss und wird es in allen Gesellschaftsordnungen geben. Dass die wichtigsten gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Zusammenhänge der Menschen von sachlichen Formen, Wertformen, wie dem Geld z. B., also durch einen gegenständlichen Mechanismus eigendynamisch reguliert und nicht von ihnen selbst bestimmt und gesteuert werden, ist in unserer Gesellschaft eine weitgehend nicht hinterfragte Tatsache. Eine Welt ohne Geld ist für die meisten Menschen nicht vorstellbar.

Es ist für uns selbstverständlich, dass unser gesellschaftlicher Zusammenhang nicht von uns direkt gestaltet, reguliert und gesteuert wird, sondern in seinem objektiven gesellschaft-lichen Gesamtzusammenhang unserem Willen äußerlich ist, wir sind in diese Umstände geboren und aufgewachsen. Diejenigen, die befürchten, dass mit der Abschaffung und Auflösung der Wert- und Geldformen Chaos und Anarchie ausbrechen oder vorindustrielle Zustände wieder Einzug halten, wir dann zu archaischen Gesellschaftsformen der Naturalwirtschaft zurück kehren, verdrängen, dass wir immer noch unter der Herrschaft von archaischen, naturwüchsigen Gesellschaftsformen stehen, die unseren Lebens- und Arbeitsprozess dominieren und domestizieren. Und dies widersprüchliche Gesellschafts-formen sind, die auf der einen Seite einen immensen abstrakten Reichtum produzieren, der nicht zur Bedürfnisbefriedigung genutzt wird sondern darauf beruht, dass auf der anderen Seite Arbeitslosigkeit, Hunger und Elend herrscht.

Auch wenn im spekulativen Himmel der Finanzströme keine irdischen Regeln zu gelten scheinen; der Wert und seine Formen sind weiterhin die Basis und das regulierende Moment des Gesamtprozesses, jede Wirtschaftskrise zeigt das, wenn zu den realen und monetären Elementen zurückgekehrt wird und die (Wert)Vernichtung des abstrakten Reichtums in allen Formen gigantische Ausmaße annimmt. Es zeigt sich an dieser Stelle deutlich, dass nur die Auflösung der Wertformen eine wirkliche gesellschaftliche und menschliche Alternative darstellt.

These 3

Die Aktualität der Marxschen Werttheorie im 21. Jahrhundert. 3.Teil

3. Ist eine Gesellschaft ohne Wertformen möglich? 

Der griechische Philosoph Aristoteles hielt die Sklaverei für eine natürliche Form mensch-lichen Zusammenlebens. Das einige Menschen gleich und andere ungleich waren, war in dieser Gesellschaftsform auch für ihn selbstverständlich. Die Arbeit von Sklaven war wertmäßig nicht vergleichbar und er erkannte deshalb die Basis ihrer gesellschaftlichen Beziehung nicht. In einer Gesellschaftsform, in der die Ware nicht allgemeine und notwendige Form des menschlichen Arbeitsprodukts war und alle gesellschaftlichen Bereiche erfasst hatte, wie dies z. B. im Kapitalismus der Fall ist, war dies auch noch nicht notwendig.

Obwohl Produkte nicht als Waren und nicht für den Austausch hergestellt wurden, konnten sie, falls wirtschaftlich erforderlich, doch in eine Austauschbeziehung gebracht werden. Dies ist aber nur möglich, weil sie auch dann, wenn sie Ergebnisse ungleicher Arbeiten sind, doch als menschliche Arbeiten in eine (Wert) Beziehung gesetzt und vergleichbar gemacht werden können.

Wir leben jetzt in einer Gesellschaftsform, in der die meisten und die wichtigsten gesellschaftlichen Beziehungen die unser Leben, insbesondere unser Arbeitsleben dominieren, auf Formen wie Ware und Geld beruhen, die nicht von uns bestimmt und gestaltet werden, sondern die in ihrer verselbständigten Eigendynamik uns vorschreiben, was wir zu produzieren und wie wir es zu verteilen haben. Der übergroße Teil der Menschheit, auch in den Ländern die sich „sozialistisch“ nennen, hält dies für einen menschlichen und natürlichen Zustand und für unveränderlich.

Dass dieses kapitalistische Warenproduktionssystem mittlerweile an die Grenze seiner autoregulativen Funktionsfähigkeit gekommen ist, wird zwar partiell wahrgenommen, aber Auswege werden höchstens in regulierten oder gesteuerten Mischsystemen  von Markt- und Planwirtschaft gesucht – und bisher nicht gefunden. Eine Aufhebung und Abschaffung der Waren- und Geldformen und die Einführung von direkten Formen gesellschaftlicher Vermittlung wird nicht für möglich gehalten.

In der praktischen Politik kehrt man nach dem desaströsen Scheitern der neoliberalen Wirtschaftsentwicklung der Periode von 1974 bis 2008 wieder zu Mechanismen der Theorie von J. M. Keynes zurück, insbesondere wird eine Politik der „Nachhaltigkeit“ beschworen. Mit Nachhaltigkeit glauben Politiker und Wissenschaftler Stabilität und Planungssicherheit in die Entwicklung kapitalistischer Staaten zu bekommen. Aber Nachhaltigkeit kann in einem Wirtschaftssystem nicht funktionieren, welches auf Nachträglichkeit aufgebaut ist. Denn in Warenwirtschaftssystemen werden Güter erst produziert und dann nachträglich am Markt entschieden, ob für sie eine kauffähige Nachfrage vorhanden ist, sie also gesellschaftlich notwendig sind. Ihre gesellschaftliche Notwendigkeit resultiert nicht aus einem Bedürfnis, welches für einen Gebrauchswert besteht, sondern aus ihrer wertmäßigen Realisierung im Austausch.

Aber genau so wenig wie eine nachhaltige Politik die systemischen Strukturen des Kapitalismus verbessern kann, ist es auch fraglich, ob ein Mischsystem aus Markt- und Planungselementen, wie z. B. die „sozialistische Marktwirtschaft“ eine wirkliche gesellschaftliche Alternative darstellt. Denn ein naturwüchsiges System der Autoregulation und der Selbstorganisation wie der Kapitalismus, läßt sich weder einer zentralen Planung unterwerfen – siehe Realsozialismus – noch kann es wirklich geplant und gesteuert werden, wenn den Marktgesetzen für ihr Funktionieren freien Lauf gelassen werden muss. Werden diese zu stark eingeschränkt, dann scheitert gleich das ganze System.

Eine wirkliche alternative gesellschaftliche Entwicklung werden wir nur erreichen, wenn wir im mikroökonomischen Bereich autonome, auch selbstorganisatorisch aufgebaute Einheiten mit einander verbinden und in Zusammenhang stellen mit dem Formwandel, der den kapitalistischen Arbeitsprozess seit dem Ende des Fordismus einem stetigen Erneuer-ungsprozess unterwirft. Dieser Prozeß kann aber nur zu einer gesellschaftlichen Transformation führen, wenn es gelingt, die Gesellschaftsformen der Warenwirtschaft mikro- wie makroökonomisch zu ersetzen durch neue direkte Formen gesellschaftlicher Regulierung, Planung und Vermittlung.

Mit den Entwicklungen der digitalen Kommunikations- und Informationstheorie in den letzten Jahrzehnten sind die technischen Grundlagen geschaffen worden, um die naturwüchsige und selbstorganisatorische Netzwerktechnik der Wertformen zu ersetzen durch eine digitale Netzwerktechnik. Diese bietet den Menschen die Möglichkeit ihre gesellschaftlichen Beziehungen direkt und egalitär selbstbestimmt zu gestalten und durchzuführen und Teile der autonomen und selbstorganisatorischen Entwicklungen aus den warenwirtschaftlichen Systemen in neuartige Strukturen und Zusammenhänge zu über-führen. Die neuen digitalen Entwicklungen eröffnen jetzt schon innerhalb der Warenwirtschaft die Möglichkeit den Arbeitsprozess über work flow Systeme zu steuern, ihn direkt mit den (individuellen) Bedürfnissen zu kombinieren und Bedürfnisse und Verteilung über GPS und one-to-one Systeme zu verbinden. Dabei ist das Ethernet eine direkte und unmittelbare Plattform der egalitären und individuellen Teilhabe am Gesamtsystem. Auch wenn sicherlich noch Mechanismen der Delegierung und Zusammen-fassung von Entscheidungsprozessen gefunden werden müssen.

Der zentrale Punkt eines gesellschaftlichen Umbruchs ist eine Neuorganisation der gesellschaftlichen Arbeit. Dabei kann es nicht um eine harmonische Koexistenz gegensätzlicher Formen der gesellschaftlichen Arbeit gehen, sondern, zumindest für die Periode einer Übergangsgesellschaft, um die Kombination und Verbindung dieser antagonistischen Gesellschaftsformen mit der eindeutigen Perspektive, die alten Wertformen aufzulösen und die neuen, direkten Gesellschaftsformen auf- und auszubauen, um ihnen die Dominanz in einem alternativen und neu strukturierten Gesellschaftssystem zuzuweisen.

Solange wir weiterhin relativ unkontrolliert daran arbeiten den Berg an abstraktem Reichtum weiter aufzustocken und unermüdlich dabei sind diesen immensen Berg noch zu verzinsen, wird Spekulation das Hauptgeschäft dieses Produktionssystems im 21. Jahr-hundert bleiben und die nächste Krise ist unausweichlich. In der nächsten Krise sind aber nicht mehr die Mittel vorhanden um die gigantischen Löcher zu stopfen und die hohen Wellen zu glätten. Wir steuern dann auf eine „Zypernlösung“ zu – einen weltweiten Währungsschnitt. Vielleicht ist das sogar ein neuer Ansatzpunkt für alternative Lösungen – wir sollten v o r h e r darüber diskutieren.

These 1

Die Aktualität der Marxschen Werttheorie im 21. Jahrhundert. 1.Teil

1. Welcher Zusammenhang besteht zwischen Wert und menschlicher Arbeit?

Wir leben im 21. Jahrhundert in einer globalisierten Welt, die von einem alle gesellschaftichen Bereiche durchdringenden Finanzkapitalismus geprägt wird. Alle gesellschaftlichen Strukturen werden von diesen Finanzströmen beherrscht und dominiert; die wirtschaftlichen Zusammenhänge werden primär nicht mehr durch die Produktion und Verteilung von Waren bestimmt, sondern hauptsächlich den Entwicklungen und Erfordernissen der Aktien- und Finanzmärkte unterworfen.

In dieser „neuen“ Welt des Finanzkapitalismus scheinen alle „alten“ Gesetze außer Kraft gesetzt und völlig neue Regeln zum Verständnis der wirtschaftlichen Abläufe notwendig zu sein. Während Karl Marx vor 150 Jahren aus seiner Gesamtanalyse der kapitalistischen Gesellschaftsformation noch die Erkenntnis zog, dass „das Verhältnis des der Produktion vorausgesetzten zu dem aus ihr resultierenden Werts … das Übergreifende und Bestimmende des ganzen kapitalistischen Produktionsprozesses“ bildet, scheint in diesen neuen Verhältnissen die Relation von menschlicher Arbeit = Quantum gesellschaftlich notwendige Arbeit nicht mehr zu gelten und das Geld als gesellschaftlich allgemeine Ware seinen Zusammenhang zur Wertschöpfung verloren zu haben und ein abgehobenes und relativ unabhängiges, munteres Eigenleben zu treiben.

Die Vorstellung, daß Geldvermehrung ein eigendynamischer Prozeß geworden ist, der durch kreativ und hart arbeitende Finanzmanager eine Wertschöpfungskette erzeugt, die nur durch das Platzen von Spekulationsblasen die spekulativ aufgebauschten Türme des abstrakten Reichtums und des fiktiven Kapitals zum Einsturz bringt, ist weit verbreitet. Man könnte diesen virtuellen und spekulativen Treibjagden an den Finanzmärkten aus entsprechender Distanz gelassen zusehen, wenn die Kehrseite dieses Treibens nicht Armut, Hunger, Elend und Arbeitslosigkeit von Millionen von Menschen wäre.

Selbst Marxisten sind mittlerweile der Meinung, dass in diesen wirtschaftlichen Zusammen-hängen die Marxsche Relation von Arbeit und Wert, von vielen als Marxsche „Arbeitswerttheorie“ charakterisiert,  kaum noch eine Rolle spielt. Wir sollten uns daher nochmals kurz damit auseinander setzen, was Wert ist und welche Rolle er in dieser Phase des Finanzkapitalismus noch spielt.

Die kapitalistische Produktionsweise ist die höchste Entwicklungsstufe warenwirtschaft-licher Gesellschaftsformationen. Es gab vor dem Kapitalismus partiell entwickelte Systeme der Waren- und Geldwirtschaft und, wie man inzwischen durch das Scheitern des Realsozialismus erkennen mußte, wird es auch in der Auflösungsphase des Kapitalismus partielle warenwirtschaftliche Übergangssysteme geben, auch wenn bisher keiner so richtig weiß, wie diese funktionieren sollen oder werden.

Warenwirtschaftliche Systeme sind charakterisiert durch die Herstellung von menschlichen Arbeitsprodukten für den Austausch über ein Marktsystem. Güter werden als Gebrauchswerte hergestellt, um damit menschliche Bedürfnisse zu befriedigen. Diese Arbeitsprodukte sind das Ergebnis individueller, nützlicher Arbeiten und als solche nicht vergleichbar. Kommensurabel werden sie erst durch die banale Tatsache, dass alle individuellen Arbeiten gleichzeitig auch Verausgabungen allgemein menschlicher Arbeiten sind. Diese allgemein menschliche Arbeit macht sie vergleichbar und wird ausgedrückt in ihrem (Tausch)Wert. Der Wert als Ausdruck der in den Produkten enthaltenen Arbeit ist damit ihre Austauschrelation und ihr gesellschaftlicher Bewertungsmaßstab. Er wird in seinen entwickelten Erscheinungsformen (Geld, Kapital, Zins, etc.) zur gesellschaftlich allgemeinen (Bewegungs)Form der individuellen Arbeiten der Menschen.

Da man Wert aber weder sehen noch riechen oder schmecken kann, er das Ergebnis einer gesellschaftlichen Beziehung, also etwas Immateriellem ist, muss er sich, um gesellschaftlich wirksam zu sein, ein Trägermedium suchen, durch das diese gesellschaftliche Funktion zu Tage tritt und „tätig“ wird. Die verschiedenen individuellen gesellschaftlichen Produkte benötigen ein allgemeines Vermittlungsmedium, welches ihren Austausch bewerkstelligt. Dieses Medium haben sie im Geld gefunden. Dass es Geld geben muß, ergibt sich naturwüchsig unbewußt aus den Funktionsbedingungen der Warenwirtschaft, welche Ware diese Funktion gesellschaftlich zugewiesen bekommt, ist eine bewußte Entscheidung der Menschen. Das Geld wird dadurch die allgemeine Wertgestalt und auch die allgemeine Ware in warenwirtschaftlichen Systemen. Der Wert als die Basisbeziehung dieses Systems ist eine gesellschaftliche Beziehung von Arbeitsprodukten, die Menschen delegieren quasi ihre individuelle wie gesellschaftliche Reproduktion an eine eigendynamische Entwicklung ihrer Arbeitsprodukte.

Es ist scheinbar etwas mystisch Irrationales, dass die wichtigste gesellschaftliche Beziehung der Menschen durch eine Beziehung ihrer Arbeitsprodukte zum Ausdruck gebracht wird, aber diese Beziehung wird in ihren verselbständigten Formen zur dominanten Gesellschafts-struktur in diesem Produktionssystem. Denn dieses System, welches den ganzen Lebens- und Arbeitsprozeß der Menschen reguliert und bestimmt, wird von Ihnen nicht in freier und bewußter Entscheidung kreiert und gestaltet, es bildet sich zwar durch ihr Handeln heraus, aber ohne das ihnen diese gesellschaftlichen Zusammenhänge als solche bewußt wären, in einem naturwüchsigen Prozeß.

Jede menschliche Arbeit, die ein individuelles Produkt herstellt, ist auch gleichzeitig ein Teil der gesellschaftlichen Gesamtarbeit. Als solcher muss sie auch gemessen, bewertet und verteilt werden. Menschliche Arbeit ist daher nicht Wert und sie hat auch keinen Wert; indem sie individuelle Gebrauchswerte herstellt, bildet sie in diesem Arbeitsprozeß gleich-zeitig einen Teil der gesellschaftlichen Gesamtarbeit, die sich im Wert ausdrückt und durch seine äußerlichen Erscheinungsformen, das Geld und seine ideelle Form, den Preis gemessen und bewertet werden. Von einer „Arbeitswerttheorie“ zu sprechen, kann daher auf einen Irrweg führen. Denn Wert kann man nicht produzieren, er ist keine besondere Sorte Arbeit, sondern eine gesellschaftliche Form, eine qualitative und quantitative Bewertungs-form eines Arbeitsprodukts als Ware. Wertformen sind daher keine ewig gültigen (Natur) Formen und sie entspringen auch nicht dem menschlichen Geist, sie sind also auch keine Denkformen. Es sind historisch vorübergehende, naturwüchsig entstandene gegenständliche Gesellschaftsformen. Daher sind sie auch auflösbar und abschaffbar und durch einen höher entwickelten gesellschaftlichen Vermittlungszusammenhang ersetzbar.

Diskussionsstart

Das Scheitern der Gesellschaften des „Realsozialismus” hat dazu geführt, dass in Theorie und Praxis eine Auflösung der kapitalistischen Warenproduktion für nicht mehr realisierbar gehalten wird, zumindest nicht in absehbarer Zukunft…