Willkommen! Lieber Teilnehmer, es ist höchste Zeit, der Theorie der Wirtschaftswissenschaft ihren Wissenschaftskern zurück zu geben. Leider ist dieser infolge der weltweiten Offensive neoliberaler und neokonservativer Kräfte im Austausch wissenschaftlicher Analysen gegen wirtschaftliche Glaubenssätze in Oasen interner Diskussionszirkel abgerutscht und als unzeitgemäß in Theorie und Praxis verteufelt worden. Dadurch begünstigt taumelt die Weltwirtschaft auf Kosten der Allgemeinheit von einer Katastrophe in die andere mit der Gefahr des Zerfalls der menschlichen Gesellschaft, weil ihr ein theoretischer Kompaß abhandenkam. Deutungs- und Meinungshoheit auch in der Wirtschaftstheorie haben Personen, Institutionen, Interessengruppen und Netzwerke, die entweder bar jeder wirtschaftstheoretischen Kenntnisse oder/und jeglichen Gewissens die für Gesellschaft und Wirtschaft desaströsen Thesen vielfältig wiederholend als Wahrheit durchsetzen und die Gesellschaft dahin verändern, einer Invasion der Alchimisten gleich, die heute vollenden, was denen im Mittelalter nicht gelang. Nun wäre es vermessen, mit einer einzigen Diskussion diese Bewegung, wenn es überhaupt möglich wäre,  der zustehenden Gosse überantworten zu können. Aber ein öffentlicher Anfang wäre allemal zu erreichen. Wir würden auch nicht den vielen Unerschütterlichen, die in ihren Zirkeln und Schulen weiterhin wissenschaftlicher Theorie nachgehen und sie weiterbringen, gerecht werden. Sie sind auch in ihren Websites zu vielen theoretischen Details öffentlich. Nur fehlen uns doch die Erläuterung der großen, ganzen Zusammenhänge in ihrer historischen Dimension und die gebührende Verankerung in der Öffentlichkeit. Die Basis einer solchen Diskussion liefert unseres Erachtens Heinrich Harbach. Da kommt einer aus dem Nichts nach 145 Jahren Kapitaldiskussion auch von vielen historischen, ehrfurchtsgebietenden Koryphäen und behauptet: Sie alle haben Marx nie verstanden, weil ideologiebestimmt! Dabei beläßt er es nicht, er hinterfragt alle existenten Theorien anhand des Kategoriengebrauchs und befestigt wieder die ins Wanken geratenen Kategorien, so, als sei es die Reinkarnation von Marx, befreit die Marxschen Definitionen auch von "marxistischen" Verunreinigungen. Und er versucht sich an einem Gesamtbild von Wirtschaft und Gesellschaft, in dem die objektiv wirkenden ökonomischen Gesetze in ihrer heutigen Wirkungsweise zur Vergesellschaftung drängen. Er versucht zu bestimmen, an welchen Punkten die Bedingungen für einen Übergang zur gesellschaftlichen Kontrolle der Wirtschaft notwendig und möglich heranreifen. Seine Theorie der "Superpositionen", gefolgert aus seiner und Marxens "Kritik der politischen Ökonomie" und darüber hinausgehend, ist ein Versuch, Zugang zu einem nachmarktwirtschaftlichen Gesellschaftssystem zu finden. Sie ist wohl nicht nur für mich ein hoffnungsvoller Ansatz. Heerke Hummel untersucht parallel dazu die Kategorie "Gesellschaftlicher Reichtum" und die angrenzenden Definitionen, besonders "Geld". Er ergänzt Harbach exzellent. In Übereinstimmung aller drei Autoren hat er mit der Finanzproblematik das brisanteste Thema besetzt. Heiner Flassbeck, publizistisch stets unter Volldampf, liefert eine Bestandsaufnahme der Weltwirtschaft aus den Erfahrungen des nüchternen Weltwirtschaftsökonomen, die theoretisch in der klassischen Wirtschaftswissenschaft gegründet sind. Auch wenn er sich aktuell von "revolutionären" Konzepten distanziert, heißt das nicht, das er Harbachs Analyse in Bausch und Bogen ablehnen würde, denn dieser bleibt streng wissenschaftlich unter Ausschluß von Ideologie. Aus seiner Sicht hat logisch die Wiederherstellung der Funktionalität des bestehenden Warenwirtschaftssystems Priorität, was wiederum eine Grundvoraussetzung für jegliche Weiterentwicklung der Gesellschaft ist, auch unter der Perspektive einer möglichen "warenlosen" Gesellschaft, wie sie Harbach als Möglichkeit aus technischen Veränderungen schlußfolgert. Dabei stehen beide Autoren im dialektischen, jedoch nicht antagonistischen Widerspruch, einer idealen Ausgangssituation fruchtbarer Diskussion. Allen drei Autoren ist gemeinsam: sie sagen nicht, lassen wir die ganze Gesellschaft von den Herrschenden kaputt machen, da sie die daraus folgenden jahrelangen Leiden der Bevölkerung nicht akzeptieren. Alle mahnen zu Vernunft, zunächst das zu tun, was auch die Kapitalverhältnisse stabilisieren würde. Es ergibt sich dabei eine überraschende Übereinstimmung der wirtschaftspolitischen Maßnahmen, die sie aus sehr unterschiedlichen Blickwinkeln als notwendig erkannt haben. Das Anliegen dieser Website ist, alle interessierten Fachleute zu animieren, durch Meinungen, Fragen oder eigene Beiträge die gewiss nur grob aufgeworfene Theorie zu verfeinern helfen. Alternativ zu herrschenden Wirtschaftstheorien eingestellten Ökonomen, Publizisten, Journalisten, Politiker sind herzlichst dazu aufgerufen. Gemeinsam werden wir ein Stück des Weges zu einer die Interessen der ganzen Gesellschaft angemessenen Wirtschaftstheorie, die Ansatzpunkte einer dem entsprechenden Wirtschaftspolitik und einer möglichen und notwendigen humanen Gesellschaft in der ganzen Welt erschließen können. Mag der eine oder andere pessimistisch in die Zukunft blicken, besser ist die Maxime Luthers: Wüsste ich heute, morgen ginge die Welt unter, pflanzte ich ein Apfelbäumchen! Copyright 2013 by Werner Richter